Aeneas flieht aus Troja

         

          

Zu lesen sind im Folgenden Textbeispiele von SchülerInnen der 8.1, geschrieben im Oktober 2012. Gestaltet wurden die Gedanken des Aeneas, wie sie ihm im Moment der Flucht aus Troja durch den Kopf gegangen sein könnten:

 

 

                                                                                                                                        von einem Schüler der 8.1

Mist, sind das viele, aber besonders gut sind sie nicht. Die kann ich ja leicht besiegen. Hey, aber was ist das! Was fällt denen denn ein? Wieso kommen denn noch mehr und wieso gehen die alle auf mich los? Also langsam werden es sogar mir zu viele Griechen. Mir, dem besten Krieger, den die Trojaner je gesehen haben, dieser Schönling von Paris zählt ja nicht! Was fällt dem nicht alles ein? Beim Friedensschluss eine Frau zu rauben! Und dann ist das auch noch Helena, die schönste Frau auf der Erde und Ehefrau von Menelaus, dem Griechen. Aber wir sitzen ja alle im gleichen Topf, aber lange halte ich das nicht durch.

Hey, was ist das, das fühlt sich ja an, als ob jemand mich anbrüllt. Was soll das denn heißen, ich soll eine neue Heimat suchen und dort eine Stadt gründen und meinen Stamm berühmt machen? Also meinen Stamm kann ich hier auch berühmt machen, zum Beispiel wenn ich diesen Griechen die Köpfe einschlage und außerdem ist meine Heimat hier! Na gut, vielleicht nicht mehr lange, aber… was, schon wieder diese Stimme: „Geh, Aeneas, geh! Nimm deine Familie und such eine neue Heimat!“ Das war vielleicht göttlich, da darf ich bestimmt nicht widersprechen.

Also los, schnell zu meinem Haus! Hoffentlich ist noch kein Feind da! Zum Glück noch nicht, los schnell, schneller! Ich nehm’ den Vater und den Sohn, los, Kreusa, komm hierher! Da entlang, jetzt rechts, danach geradeaus und noch einmal links. Zum Glück, noch keine Griechen da!

Ha, geschafft, endlich in Sicherheit. Doch halt, wo ist Kreusa, sie war doch gerade erst hinter mir? Okay, nicht die Nerven verlieren, der Junge und mein Vater bleiben hier und ich geh’ Kreusa suchen!

Hoffentlich finde ich sie. Am liebsten würde ich jetzt irgendeinem Griechen den Kopf einschlagen. Da! Eine Bewegung, links, also Schild hochreißen, Schwert ziehen, aber halt, es ist Kreusa, aber wieso ist sie Schatten: Zauberei! Wieso sagt sie so was, sie soll doch mit mir kommen und diese Heimat suchen und eine Stadt gründen! Wieso sagt sie also, dass sie hier bleiben muss? Das darf doch jetzt nicht wahr sein!

 

 

                                                                                                                                      von einem Schüler der 8.1

Und wieder einen Griechen geschlagen. Doch es wirkt, als ob auf einen Besiegten zwei neue kommen. Unsere geliebte Stadt wird nicht mehr lange den Kräften des Feindes standhalten, auch wenn wir dies nicht einzusehen vermögen. Wie viele sind schon durch das Schwert oder durch das noch grausamere Feuer zu den Göttern gelangt! Wie viele meiner Freunde weilen nicht mehr unter uns!

Es ist die größte Schande für einen Krieger, seine belagerte Stadt zu verlassen, aber ich muss auf die Götter hören. Nur sie kennen und bestimmen unser Schicksal. Doch was ist das für ein Schicksal? Kann ich diesem denn gerecht werden? Doch Befehl ist Befehl. Ich werde mit Anchises, Ascanius und Creusa aus Troja fliehen und meinen Weg weiter bestreiten, so wie es die Götter von mir verlangen.

Endlich sind wir den Gefahren entflohen! Aber wo ist Creusa geblieben? Wo ist meine geliebte Ehefrau? Ich ahne Schlimmes, sie wird noch in der Stadt sein. Oh, welch großer Schmerz, welch großes Leid durchzieht meinen Geist! Doch noch besteht ein Funken Hoffnung, auch wenn ich an jene nicht mehr glauben kann. Ich werde Creusa suchen und finden – lebendig oder tot. Aeneas kehrt in die Stadt zurück.

Alles ist dem Erdboden gleich gemacht, von überall steigt Rauch auf. Warum meine Frau und warum meine Stadt? Aus welchem Grund ist mir dieses untragbare Schicksal zuteil geworden? Es ist vergeblich, Creusa zu rufen, niemand wird antworten. Doch was sehe ich da Übermenschliches? Creusas Schatten erhebt sich vor meinen Augen!

Ich werde tun, was Creusas Schatten, letztlich der Wille der Götter, von mir verlangt. Auch wenn es mir nicht leicht fällt. Ich werde die Mühen auf mich nehmen und einen neue äußerst mächtige Stadt erbauen. Mein Geschlecht werde ich so hochberühmt machen. Aber vor allem werde ich die Fürsorge und Liebe zu dem kleinen Ascanius bewahren. Er wird Großes vollbringen.

 

 

                                                                                                                                      von einer Schülerin der 8.1

Ich kämpfe und doch sind die Griechen stärker. Dieses verfluchte Holzpferd! Und Laokoon hat uns noch gewarnt, das Pferd nicht zu beachten! Die Griechen lassen nichts unversucht, um Troja zu vernichten. Hoffentlich passiert Kreusa, Ascanius und Anchises nichts… Wenn ich auch nur daran denke, einen der Drei zu verlieren… Und wenn dieser Grieche nicht endlich stehen bleibt…

Ich bin schon außerhalb der Stadt? Moment… außerhalb der Stadt? Ich soll fliehen? Und der Grieche… meine Mutter! Ich bin so ein Narr!

Ich muss sofort meine Liebsten holen! Meinen Vater kann ich auf dem Rücken tragen und Ascanius an die Hand nehmen, aber Kreusa muss hinter unserem Sohn laufen… Aber ich muss den unbenutzten Weg gehen, sonst ist mein und das Leben der Drei verwirkt.

Verflucht, die Mauer ist schon eingestürzt, aber das Haus an sich steht noch. Ich muss die Drei holen und darf sie nicht rufen, sonst wissen die Griechen, dass noch jemand lebt.

Vater und Ascanius habe ich eingesammelt, aber wo ist Kreusa? Vielleicht ist sie im Wohnraum, aber vielleicht haben die Griechen das Haus schon besucht… Nein, da ist sie! Ein Glück! Sie glaubt mir und geht als Letzte, aber genau dies widerstrebt mir.

Aber nun heißt es fliehen. Ich bin ein Krieger, aber ich vertraue auf die Götter. Ich weiß, dass es wichtig ist, dass ich überlebe, denn so viele, die ich kannte und mochte, sind eines qualvollen Todes gestorben. Selbst der Altar für die Götter in der Mitte unserer Stadt wurde niedergebrannt!

Endlich ein Ausgang! Ich denke, dort vorn in den Wäldern können wir eine Rast machen, aber bis dorthin müssen wir so schnell rennen, wie wir können. Die Bäume sind Fluch und Segen zugleich. Segen, weil sie uns vor neugierigen Blicken schützen, Fluch, weil sie unsere Geschwindigkeit verringern. Troja, die Stadt, auf der ein Fluch liegt. Und das alles nur wegen Paris und Helena!

Endlich da. „Kreusa, pass du auf Ascanius auf.“ Wo ist sie? Die ist doch wohl nicht…? Ich muss sofort zurück in die Stadt! Aber die Götter… Nein, sie ist meine große Liebe, ich kann sie nicht einfach im Stich lassen! Aeneas kehrt in die Stadt zurück.

Das Haus von Vera und Quintus, die Tempel… alles abgebrannt! Und … ist das…, das kann doch nicht… „Kreusa, bist du es?“ Sie ist nicht sie, es ist nur… ihr Schatten. Sie sagt mein zukünftiges Leben voraus… mit einer anderen Frau an meiner Seite…

Und nun ist sie verschwunden… Meine Liebste… „Wieso, Götter? Wieso?“ Es bringt nichts, ich muss zu Vater und Ascanius zurück. Aber ich werde ihre Prophezeiung erfüllen. Ihr zuliebe… meine geliebte Kreusa, ruhe in Frieden. Mögen die Götter dich hüten, bis wir uns wieder sehen…

 

 

 

                                                                                                                                    von einer Schülerin der 8.1

Alles ist kaputt.

Alles steht in Flammen.

Überall liegen unsere tapferen Kämpfer auf dem Boden und bewegen sich nicht mehr.

Überall ist Blut… Wo kommt nur das ganze Blut her?

Ok… Einfach nur geradeaus… Ist Ascanius noch hinter mir? Ah… da ist er… ich darf ihn nicht verlieren…

Da vorne ist schon das Ziel. Wir werden es schaffen!

Und wir sind außerhalb der Stadt… Wie wird es wohl weiter gehen? Wird die Stadt eingenommen und wieder aufgebaut? Wird sie zerstört bleiben? Wird ein Trojaner zurückkommen und sie wieder errichten?

Moment… Ascanius ist da, mein Vater ist da… doch meine Frau nicht! Wo ist Creusa? Nein! Sie sollte doch hinter uns bleiben! Ich muss zurück… Ich muss sie finden! Ich kann sie doch nicht hier zurücklassen? Mein Vater und mein Sohn müssen eben kurz hier warten… Ich muss zurück…

Alles brennt. Überall zusammengestürzte Gebäude… Mussten die Griechen wirklich alles zerstören? Mussten sie wirklich alles kaputt machen?

Ich rufe sie… Es antwortet niemand… Ich muss einfach lauter schreien! Es reagiert noch immer keiner. Was soll ich jetzt machen?

Uh, was ist das? Ein Geist… IHR Geist? Der Geist von Creusa, meiner geliebten Frau? Sie redet mit mir, sie sagt, ich soll gehen, sie sagt, ich soll eine neue Stadt aufbauen, ohne sie! Sie meint tatsächlich, ich soll sie hier zurücklassen und ein neues Leben mit einer neuen Frau beginnen… wieso sagt sie so etwas?

Sie löst sich auf, nein!!! Sie verschwindet! Nein, nein!!! Und sie ist weg…

Ich kann sie nicht zurücklassen. Nein, ich kann sie doch nicht einfach hier alleine lassen.

Sie wird nicht wiederkommen… ich muss zu meinem Sohn… Sie meinte, ich soll ihn beschützen und ihre Liebe zu ihm bewahren. Ich muss zurück…

Und noch einmal muss ich durch die brennenden Straßen Trojas laufen, ein letztes Mal… Die toten Körper liegen überall…

Gleich bin ich wieder bei meinem Sohn.