Paris und Helena - Liebesbriefe zwischen Sparta und Troja

   

Übersetzung, die die Stilmittel des lateinischen Texts nachahmt,

dies betrifft v.a. Alliterationen, rhetorische Fragen, Exclamationes, Anaphern, Asyndeta, Wiederholungen von Buchstabenfolgen bei zusammen stehenden Wörtern, eine Klimax, vgl. Lektion 14, Lumina:

 

                                                                                    von einem Schüler aus der Klasse 6/1, im Dezember 2010
Helena grüßt Paris

Du hast geschrieben, dass du mich liebst.

Du hast geschrieben, dass du deine Liebe nicht mehr verheimlichen kannst.

Du willst mich heimlich treffen,

du wünschst dir sogar, mich von Sparta nach Troja zu entführen?

Oh du Armer!

 

Du wagst es, die Treue der Ehefrau von Menelaus herauszufordern?

Fürchtest du denn nicht den Zorn des Königs von Sparta?

Er hat dich doch als Gast empfangen, dir sein Königreich gezeigt und alles erklärt!

Du hast mit ihm und seiner Ehefrau gegessen, seine Gastfreundschaft genossen!

Nun hat Menelaus aus geschäftlichen Gründen Sparta verlasse und sofort hast du, Untreuer, im Sinn, ihn zu betrügen?

Schämst du dich denn nicht eines solchen Verrats?

 

Du hast mir geschrieben, dass ich die schönste Frau des Erdkreises bin.

Glaubst du etwa, schöne Frauen sind leichtfertig?

Meinst du etwa, sie sind untreu und schamlos?

Oh ich Arme!

 

Doch bin ich nicht zornig.

Wer kann denn denen zürnen, die lieben, wenn es überhaupt wahre Liebe gibt?

Jedoch glaube ich nicht, dass deine Liebe wahr ist. Die Liebe von Gästen ist nie zuverlässig.

 

Du hast mir mein zukünftiges Leben erklärt:

Troja ist eine große und reiche Stadt, das Leben ist angenehm, frei von Sorgen und selig.

Männer versprechen immer Berge von Gold, doch ihr Gedächtnis ist schlecht, oft sind es nur leere Worte.

Aber glaube mir:

Ich sorge mich weder um Reichtum noch um ein angenehmes Leben, obgleich das Leben in Sparta oft hart ist.

Wenn ich mit dir nach Troja ginge, würde ich es tun, weil du mir gefällst: Du bist schöne.

Oh ich Arme!

Oh du Armer!

Warum konntest du nicht vorher nach Sparta kommen?

Ich kann mich noch nicht heimlich mit dir treffen, aber vielleicht…

 

Ich habe dir den Brief durch die Sklavin Aethra geschickt; wenn du wünschst zu antworten, gib ihr deinen Brief. Ihre Zuverlässigkeit ist sicher.

 

 

 

Paris schreibt an Helena – fiktive Antwortbriefe

auf Deutsch und Latein mit Bezugnahme auf Helenas Brief an Paris (s.o)

 

                                                                                              SchülerInnen aus der Klasse 6/1, im Dezember 2010

Liebe Helena,

ich liebe dich mehr als mein Leben!

In sieben Tagen will ich kommen.

Auch wenn Menelaus mich als Gast empfangen hat,

auch wenn Menelaus mir alles gezeigt und erklärt hat,

ich will, dass du mit mir kommst.

Er wird einsehen müssen, dass unsere Liebe stärker ist als seine Macht.

 

Ohne dich kann ich nicht mehr leben.

Oh ich Armer!

 

Ich weiß, dass du dir Sorgen um den Frieden machst,

aber die Spartaner machen mir keine Angst.

Auch sie werden einsehen, dass wir beide zusammen gehören

und nichts auf der Welt uns trennen kann.

Natürlich wird es Neider geben,

aber wenn wir es nicht versuchen,

dann will ich lieber sterben.

 

Könntest du mich denn vergessen?

Oh ich Armer!

Oh du Arme!

Aber sei tapfer, unsere Liebe wird alles überwinden.

 

Ich gebe meinen Brief Aethra,

denn du hast gesagt, dass sie die Zuverlässigste ist

und ich vertraue dir.

 

In Liebe

Paris

 

 

Geliebte Helena,

dies ist die Antwort auf deinen wunderbaren Brief,

ich hoffe, du nimmst dir meine Worte zu Herzen

und glaubst auch an ihre Wahrheit.

 

Helena, du bist die schönste Frau des Erdkreises,

wenn nicht sogar des Universums.

 

Ich liebe dich von ganzem Herzen,

schon jetzt kann ich meine Liebe nicht mehr verheimlichen.

Wie ich in deinem Brief las, bist du, Gott sei dank, nicht zornig auf mich.

Das hat mich sehr beruhigt, denn ich weiß, dass unsere Liebe wahr ist.

Wirst du Menelaus verlassen?

Wirst du eure Ehe beenden und zu mir, nach Troja, kommen?

Tu es für mich, bitte!

Ich kann nicht anders, ich muss dich treffen.

 

Natürlich denke ich nicht, dass du schamlos und untreu bist.

Aber auch ich bin nicht untreu,

ich hoffe, du denkst nicht, dass ich es ausnutzen will, dass Menelaus nicht in Sparta ist.

Mein Vater würde es sicher nicht zulassen, dass ich mich mit dir treffe.

Deshalb muss dieses Treffen geheim geplant werden,

keiner darf über unseren Plan Bescheid wissen, nicht einmal Aethra.

Wenn Menelaus sie wegen deines Verschwindens fragt, müsste sie lügen.

Dadurch könnten wir ihr Leben in Gefahr bringen.

Das will ich nicht!

 

Bitte antworte!

 

Viele Küsse von

deinem dich liebenden Paris

 

 

 

Paris Helenae salutem dicit

Meus amor verus est.

Tuam fidem sollicitare audeo.

Primum Spartam venire cupio.

Belli causa non prius venire potui.

 

Nunc hic sum et non sine te abeo.

Venus mihi pulcherrimam mulierem orbis terrarum promisit.

Tu ea mulier es.

 

Mecum Troiam veni!

Mecum Spartam fugere potes.

Feminae pulchrae non leves esse credo.

Tamen mecum veni et Menelaum relinque.

 

Troiae beata es.

Novam vitam Troiae incipimus.

Scelus non est, si duo se amant.

 

Epistula mea Aethrae mando.

Te mihi respondere credo.