Eine Stadt ist unterwegs

   

   

Gedränge, Geräusche, Gerüche. Ein Blick nach vorne, einer zurück – überall Menschen. Sie drängen sich, stehen sich auf den Füßen, sind dennoch gelassen und blicken nicht selten einfach nur lächelnd umher. Tür auf, es wird leerer, wieder enger, Tür zu. Es ist eng, unglaublich eng, und da stehst du nun und freust dich, denn du hast eine Halteschlaufe ergreifen können und bist jetzt selbst eine, Lehrer klammern sich an dich, bis sich die Tür wieder öffnet. Und du strömst einfach mit heraus. Um dich herum ein U-Bahnhof, einem Ameisenhaufen gleichend. Menschen, die nicht in Rom leben, sondern Rom sind, umgeben und umgehen dich. Sie sind schnell, aber nicht hektisch. Sie sind geschäftig, aber nicht gestresst. Sie unterscheiden sich wie Eis und Pizza, und sind dennoch gleich. Eine besondere Erfahrung, und auch wenn man es nicht glauben mag, ist es in gewisser Weise angenehm. Keine leichte Sommerbrise, mehr ein kräftiger Herbststurm. Die Metro sowie die Busse sind nicht mit deutschen Großstädten zu vergleichen. Du musst es erlebt haben. Also los, in Richtung Rom, aber nicht mit dem Auto. Und bis dahin strömen sie weiter in Richtung ihrer Ziele, und wer nicht selbst drängelt, wird sein eigenes verfehlen.
Denn Rushhour ist in Rom nicht morgens, nicht abends, nein immerzu und überall.

   

   

 

Il Papa

 

Wenn man am Ende einer langen Wanderung am liebsten auf die Knie fallen möchte, dann wohl nur aufgrund der körperlichen Erschöpfung. Wenn man aber frisch wie der junge Morgen während einer Tour über den Petersplatz auf die Knie fallen möchte, dann aufgrund von tiefer Ehrfurcht vor dem, der in diesem herrlichen Meisterwerk der Baukunst wohnt und agiert. Und wenn man sogar als Atheist, also als jemand, der sich eher weniger um Glaube und Religion kümmert, wenn man dann vor tiefer Ehrfurcht auf die Knie geht, ist dies ein Gefühl, was sich schwer beschreiben lässt. Es ist eine Mischung aus Furcht, Ehrfurcht, aber auch aus Stolz und Freude. Stolz und froh darüber, dass man das Oberhaupt der katholischen Kirche nur wenige Meter entfernt vorbei fahren sieht. Es sind nicht nur diese Gefühle, es ist mehr. Diese Aura der geistlichen Macht, die von dieser Person ausgeht, ist unbeschreiblich und atemberaubend. Die vielen Menschen, die vor dem Petersdom stehen, nur um den Heiligen Vater zu sehen, unterstreichen dies zusätzlich.

Inmitten dieser Menschen, die alle ihm, dem Papst, zujubeln, und vor dem Papst selbst, fühlt man sich mit einem Mal doch sehr klein…

 

   

Auszug aus dem Tagebuch einer Möwe

 

… heute war ein extrem starker Wind. Als ich meinen Morgenflug über dem Kapitol flog, wurde ich gegen eine Wand gerissen und konnte mich gerade noch so auf einen Fenstersims retten. Was ich dort sah, schockte mich. Eine Wölfin starrte mich an, ich starrte zurück. Das ging fünfzehn Minuten so, bis ich erkannte, dass es nur eine Wölfin aus Bronze war. Wieso die Menschen so etwas nur erschaffen?

Gegen Mittag wurde der Sturm immer heftiger. Als ich mir etwas zu Essen holen wollte, konnte ich mich keinen Flügelschlag nach vorne bewegen. Ich wollte landen, doch wusste nicht, wo. Der einzige erreichbare Punkt war eine Aussichtsplattform über dem Palatin, doch da wimmelte es von Menschen. Schließlich blieb mir nichts anderes übrig, als dort zu landen, und dann geschah es:

Alle Touristen zogen ihre Kameras hervor und fotografierten mich. Am schlimmsten war eine Schülergruppe, der Hautfarbe nach aus dem Norden, welche sich mir unablässig aufdrängten. Einer kam so dicht an mich heran, dass ich kurz davor war, ihn zu attackieren, doch als er mir eine wohlschmeckende Substanz namens Brot gab, griff ich ihn nicht an. Die Schülergruppe ging und mit ihr auch der Sturm, so konnte ich satt und zufrieden den Heimweg antreten.

   

   

Auch die kleinste Pfütze spiegelt den Himmel

 

Auf dem Weg zur Ara Pacis, dem Friedensaltar des Augustus, fanden wir unseren Weg in eine kleine Seitengasse. Ein kleiner Laden, der sich mit seiner modernen Glasfassade von den alten, antiken Häusern abhob, erregte unser Interesse. Allein das Schaufenster war geschmückt mit kleinen Pralinen und Küchlein, doch das Ladeninnere war noch überwältigender. Bereits beim Öffnen der Tür wehte uns der süße Duft von Gebäck und Zucker entgegen, der einem das Wasser im Mund zusammenlaufen ließ. Auf Regalen standen moderne Torten und Kuchen, verziert mit Mustern, denen man den Aufwand bereits ansah. Die Auslage war übersät mit verschiedensten Keksen und besonders Cupcakes, die wie kleine Meisterwerke aussahen: alle mit einem Hut aus Creme verziert, als i-Tüpfelchen die kleinen, aber feinen Details wie Marzipanrosen, Mäusespeck oder essbare Blüten. Mit einem Preis von 3,50 € je Cupcake erschienen die Werke zunächst teuer, doch der umwerfende und überwältigende Geschmack ließ einem klar werden, dass man für diese Meisterwerke noch mehr verlangen könnte. Die Creme luftig leicht, nicht zu süß und im Mund zergehend, der Teig saftig und perfekt verarbeitet. Doch auch der größte Genuss hatte sein Ende. Den Geschmack noch auf der Zunge und mit einem Lächeln auf den Lippen gingen wir schließlich schweren Herzens weiter zur Ara Pacis. Unseren inneren Frieden hatten wir jedoch mit den Cupcakes gefunden.

Selbst die kleinste Pfütze spiegelt den Himmel.

In diesem Fall den Geschmackshimmel.

   

   

„Eisiger“ Abend in Rom

 

Hi Victor,

heute habe ich etwas erlebt, das ich nie vergessen werde: Während unserer Studienfahrt mit meiner Klasse in Rom saßen wir eines Abends nach dem Abendessen ziemlich erschöpft von den vielen Eindrücken des Tages am Tisch und hätten am liebsten nur noch gechillt. Manche sind schon fast sitzend eingeschlafen. Doch auf dem Programm stand noch ein Ausflug zur Piazza Navona und zum Vierströmebrunnen (hier spielt übrigens auch eine Szene im Film „Illuminati“, den wir zusammen schon gesehen haben). Und dann hat es auch noch angefangen in Strömen zu regnen. Kannst du dir vorstellen, wie viel Lust wir dazu hatten?

Also sind wir genervt losgegangen. Aber trotz des Regens hatten wir einen erlebnisreichen Abend: Nicht nur der Platz mit seinen vielen Restaurants und Cafés und dem beleuchteten Brunnen, sondern auch eine besondere Gelateria wurde zum Highlight des Tages (hier musste ich an unseren letzten Sommerurlaub denken :D...). Durchnässt und ziemlich niedergeschlagen erschien uns diese Eisdiele wie ein Licht am Ende eines langen und dunklen Tunnels. Der Eisverkäufer mit Glatze und langem, buschigem Bart sah wirklich lustig aus und empfing uns sehr herzlich. Er hat sich bemüht mit uns Deutsch zu sprechen, was aufgrund seines italienischen Akzents sehr amüsant klang. Unsere Stimmung erhellte sich schlagartig, denn das Eis schmeckte auch noch klasse. Unter tausend exotischen Eissorten konnten wir uns kaum entscheiden. Hier würde ich dich gerne mal zu einem Eis einladen.

Bis bald und ciao.

   

   

Straßenverkäufer in Rom

 

Hier seht Ihr einen kleinen Dialog darüber, wie euch ein Straßenverkäufer anspricht und euch seine Ware anbietet! Das Ganze wurde allerdings auf Englisch gesprochen.

S (kommt auf dich zu): Möchtest du einen Selfiehalter kaufen?

D: Nein, danke!

S: Doch doch, schau ihn dir doch an!

D: Nein, danke, ich möchte nichts kaufen!

S: Schau ihn dir doch an! Er kostet nur die Hälfte!

D: Bitte gehen Sie woanders hin, ich will nichts kaufen.

S (geht weg)

Als Ware verkaufen die Straßenverkäufer hauptsächlich Selfiehalter, Laserpointer und, wenn es regnet, Regenschirme und Regencapes. Diese Dinge werden von ihnen in den Himmel gepriesen und entpuppen sich als recht kurzlebig, wenn man sie sich trotz aller Vorsätze doch gekauft hat.