Kulturelle und geistige Landschaft Europas: Briefe

   

Grundlage dieses Themas bildete ein Auswahl von Texten, die für die kulturelle und geistesgeschichtliche Einheit von Europa wesentlich waren. Verknüpft wurden dabei stets historische Texte mit darauf folgenden Reaktionen und Aktualisierungen bspw. "Der Mythos von Zeus und Europa" - Aktualisierung in Karikaturen zur EU, "Der Eid des Hippokrates" - "Genfer Ärztegelöbnis" oder "Die sieben freien Künste" - aktueller Fächerkanon in der Schule. Die SchülerInnen formulierten im Anschluss daran einen fiktiven Brief an die entsprechende Quelle.

 

Lieber Sokrates,

Sie stellten in Ihrer Verteidigungsrede die Behauptung auf, dass nur jener weise ist, der seine Weisheit richtig einschätzen kann. Ich finde, das ist für Ihre Zeit eine mutige Behauptung, denn damals wurden alle, die hohe Ämter belegten, für weise gehalten. Allerdings konnten sie gar nicht alle weise sein, weil sie weniger für ihre Weisheit die Macht besaßen, als dafür, dass sie reich waren oder aus einem adligen Geschlecht stammten. Sie sagen auch, dass Sie wissen, dass Sie nichts wissen. Ich denke, das war im Zusammenhang mit der Antwort des Orakels auf Chairephons Frage, ob jemand weiser als Sie seien. Das war ebenfalls eine gewagte Behauptung, denn das Orakel hatte ja verneint und mit Ihrer Aussage würde das dann heißen, dass alle anderen Menschen noch weniger als "nichts" wissen.

Was ich auch interessant finde: Damals zu Ihren Zeiten galten Leute, die hohe Ämter belegten, als weise. Heute, in meinen Zeiten, ist es umgedreht, denn wer heute weise ist, der genießt hohes Ansehen und hat größere Chancen, im Leben etwas zu erreichen.

Ich denke, die Weisheit hat heute etwas an Bedeutung verloren, denn es wird heute mehr darauf geachtet, viel zu produzieren, anstatt darauf zu achten, was produziert wird. Es gibt einige wenige Menschen, die noch über die Weisheit nachdenken, aber das ist, glaube ich, eine Minderheit.

Mit freundlichen Grüßen

(8. Klasse, Dezember 2013)

 

 

Sehr geehrter Hippokrates,

in Ihrem Eid schreiben Sie etwas über die wichtigsten Regeln, an die Sie sich halten müssen und das ist interessant. Sie schreiben zum Beispiel über die "diätetischen" Maßnahmen und darüber, dass Sie Frauen keine Abtreibungsmittel geben dürfen. Und Sie erwähnen in Ihrem Eid auch, dass Sie sich von Unrecht und Sittenlosigkeit fernhalten müssen. (...) Weiterhin habe ich gelesen, dass Sie niemandem ein tödliches Medikament verabreichen dürfen, selbst wenn es der Patient will, sonst wären Sie Ihren Job los, wenn Sie gegen diese wichtige Regel verstoßen würden.

Zu meiner Zeit jetzt hat sich nicht viel von diesen Regeln geändert. Für die Ärzte von heute gilt, dass der Patient der Wichtigste ist, dass die ärztliche Schweigepflicht besteht und dass der Patient nicht belogen werden darf. Meine eigene Meinung von Ärzten ist, dass sie unvoreingenommen bleiben müssen, dass die Schweigepflicht bestehen muss, aber ich finde, auch für unter 18-Jährige! Vielleicht hat man ein Problem als Jugendlicher, das man lieber erst einmal mit seinem Arzt besprechen möchte und nicht mit seinen Eltern? Natürlich sollte ein Arzt auch Hilfsbereitschaft besitzen und helfen, wenn man Hilfe braucht und nicht einfach alleine stehen lassen. Weiterhin wichtig ist, dass der Arzt auch ehrlich sein sollte, d.h. dass er einem nur das verschreiben sollte, was man auch braucht und nicht irgendwas Sinnloses.

Ihr Eid ist in den vielen Jahrhunderten noch erhalten geblieben und Sie haben auch alles erwähnt. Von daher muss man eigentlich kaum was verändern.

Herzliche Grüße

(8. Klasse, Dezember 2013)

 

 

Sehr geehrter Isidor von Sevilla,

ich fand es sehr interessant zu wissen, was die sieben freien Künste sind und wie man sie eingeteilt hat. Von den zwei Gruppen Trivium und Quadrivium wusste ich auch noch nichts und mich würde interessieren, wonach man die Gruppen eingeteilt hat. Also warum man Grammatik, Rhetorik und Dialektik zusammengetan hat und nicht z.B. Musik, Rhetorik und Dialektik. Ich glaube zwar, man hat das so eingeteilt, weil sie zusammenpassen und Arithmetik, Geometrie und Astronomie auch, weil sie etwas miteinander zu tun haben, aber das mit der Musik ist mir nicht so ganz klar.

Wussten Sie, dass die sieben freien Künste heute nicht mehr so erhalten sind wie früher? Die Grammatik steht heute eher in der Verbindung mit den Sprachen. Die Rhetorik dient in der Politik, die Dialektik wird als Logik in der Philosophie und zum Teil auch in der Mathematik erhalten. Arithmetik und Geometrie sind beide in der Mathematik, obwohl die Geometrie auch in Geographie vorkommt. Musik ist immer noch Musik, daran hat sich nichts geändert. Und die Astronomie kann man auch noch als Astronomie belegen, sie wird aber auch in Physik gelehrt.

Ich persönlich finde es sehr interessant, über die sieben freien Künste mehr zu erfahren, finde es aber auch schade, dass man nicht mehr alle so erhalten hat, wie sie es mal gab. Aber ich denke auch, dass es gut ist, wie die Fächer heute sind, denn so erlebt man es mal anders. Aber vielleicht sollte man die Darstellung der einen oder anderen freien Kunst ändern, z.B. bei der Dialektik wissen manche gar nicht mehr, was sie bedeutet. Sonst war aber alles gut verständlich. Vor allem das mit der Astronomie fand ich sehr interessant.

Herzliche Grüße

(8. Klasse, Dezember 2013)