Exkursionen

27.06.2018

Eine Welt zwar bist du, o Rom… Unsere Romfahrt 2018

Am Sonntag, den 17.06.2018, stieg eine etwas überdrehte Latein-Klasse 9/4 um 14.30 Uhr an der Kantstraße in den Bus. Aber nun ja, wer könnte ihnen das angeregte Getuschel und die gelegentlichen Jubelrufe übelnehmen? Immerhin ging es nach Rom, der "ewigen Stadt", wie schon der Dichter Tibull und später auch Vergil schwärmte. Zwar war der Grund für unsere 20-stündige Busfahrt nicht, unsere Sprachkenntnisse aufzufrischen, denn mehr als ein unsicheres "G-Grazie" oder "Ciao" konnte niemand stottern: Nein, wir sollten unsere tote, doch geliebte Sprache auf kultureller Ebene kennenlernen (und natürlich das unwiderstehliche Eis von "Giolitti"). Doch von der italienischen Küche konnten wir vorerst nur träumen, wenn wir denn schliefen. Letztendlich war die Busfahrt ein Wirrwarr aus Gummibärchen, bereits abgekühltem Tankstellenkaffee mit viel Zucker und vereinzelt trunken genuschelten Konversationen. Diese handelten teils von dem Waschbrettbauch Kit Haringtons, der mal nicht davon sprach, dass "der Winter nahe", sondern in Pompeji auf einem Bildschirm um sein Leben rang, teils fanden aber auch produktivere Gespräche über die nahenden Referate statt. 

Mit genannten Vorträgen startete dann auch direkt unser Aufenthalt in der Hauptstadt Italiens, nachdem wir vormittags am Hotel Principe Amedeo angekommen waren. Mit Sonnencreme vor den teilweise 45 Grad geschützt und mit ausreichend Getränken gewappnet, machte sich also die Klasse 9/4 auf den Weg zur Piazza Venezia. Von dem Platz im Zentrum Roms ging es dann direkt weiter zum trapezförmig angelegten Kapitol mit Blick auf das Forum Romanum, geleitet durch Marten und Eric. Dort konnte man beispielsweise die Reiterstatue des Mark Aurel oder den Senatorenpalast bestaunen. Doch kaum hatte man einen Eindruck vom klassisch symmetrischen, antiken Flair bekommen, ging es direkt in Richtung Hotel, denn in der Nähe befand sich das Ristorante Mensa di Bacco. Dort konnten wir jeden Tag um Punkt 19 Uhr zu geringem Preis ein 3- Gänge-Menü genießen. Später hatten die teils ein wenig erkälteten Touristen schließlich die Möglichkeit, erschöpft in (noch) ordentlich gemachte, weiße Betten zu fallen, um von Pasta und Tiramisu zu träumen.

Trotz zahlreicher Beschwerden der unwillig zum Frühstück schlurfenden Schüler, ging es am nächsten Morgen pünktlich um 8.30 Uhr auf den Weg zum allbekannten Forum Romanum. Marius und Lukas führten uns mit ausgiebigem Fachwissen von der Basilica Aemilia bis zum Venus-Roma-Tempel quer über das Gelände. Danach stärkte sich die Gruppe von 21 Personen, die aus den Schülern, den zwei Lehrern Frau Sucharski und Frau Severin und dem Elternteil Herr Schreiter bestand. Anschließend erfuhren wir durch die beiden gut informierten Referenten Julius und Dominik mit perfektem Blick auf das Kolosseum ein wenig mehr über dieses wortwörtlich "kolossale" Amphitheater. Vor vielen Jahrhunderten genossen dort reichlich Kaiser und Senatoren brutale Gladiatorenkämpfe, Tierkämpfe und Exekutionen. Darauf hatten wir dann auch die Möglichkeit, jene berühmte Sehenswürdigkeit genauer zu besichtigen, um anschließend die Kaiserforen zu betrachten. Julia und Nadine navigierten uns mit Sorgfalt über das Trajansforum, die Trajanssäule und die Trajanischen Märkte. Kurz darauf durften die 15- und 16-Jährigen im Hotel kurz durchatmen, Pasta, ein Fleischgericht und ein Dessert genießen und an der Piazza del Popolo shoppen gehen oder einigen Straßenmusikanten lauschen.

Den ersten Teil des dritten Tages unserer Reise konnten wir damit verbringen, ausnahmsweise durch jemand anderen als einen Mitschüler über Roms Sehenswürdigkeiten aufgeklärt zu werden. Man führte uns circa eine Stunde durch die kühlen, dunklen und zugegebenermaßen etwas grusligen Hallen der ersten Etage der Catacombe di Priscilla. Später besichtigten wir dann den atemberaubenden Petersdom und den Vatikan, als reichlich Input von Floriane und Anna gegeben worden war. Nach der Betrachtung von Michelangelos Meisterwerk begaben wir uns zum Eingang des Palatins mit der "Casa di Augusto". Über den sogenannten Gründungsort Roms hatten Serena und Johanna sich zuvor informiert und gaben das Wissen nun in gebündelter Form wider. Am Abend fuhren wir dann mit dem Bus zur Piazza Navona, um erneut einige Läden zu besichtigen.

Der gesamte Donnerstagvormittag bestand aus der Fahrt und der Führung durch die alte Hafenstadt Ostia Antica.  Ausgezeichnet durch zahlreiche Thermen und Häuser ehemaliger, wohlhabender Patrizier hatte diese einst durch die Versorgung Roms mit z.B. Getreide großen wirtschaftlichen Erfolg erfahren. Der Besichtigung nahmen sich Lena und Marta an. Große Begeisterung und plötzlich neu gewonnene Energie zeigte sich dann bei der Kundgabe, dass anschließend Freizeit sei. Die einen hatten die Motivation, sich weiter der Kultur Roms zu nähern, die anderen gingen Poloshirts, selbstverständlich aber auch (interessant geformte*) Nudeln einkaufen und die dynamischsten Schüler von allen ernährten sich von abgestandener Cola und spielten Mario Kart mit Panic! At The Discos "Dont Threaten Me With A Good Time" (Achtung, versteckte Musikempfehlung) und gelegentlichen Flüchen im Ohr. An der Fontana di Trevi fand sich die Gruppe dann aber wieder zusammen und versuchte, ganz im Sinne der Tradition, ihr Glück beim Münzwerfen.

*Insider für Lateiner

Ein wenig Nostalgie verspürte man am letzten Tag unserer Reise schon beim Aufstehen und Kofferpacken, doch für das Schwelgen in Gefühlen melancholischer Art war nicht lange Zeit. Nach einem kleinen Abstecher in die Diokletiansthermen hörte die Klasse ein Referat über die Via Apia, die Caracalla-Thermen und den Tiber inklusive Insel von Jari und Matti. Über den Platz des Circus Maximus konnten wir anschließend, geleitet durch Elisa und Esther, schlendern, um wieder reichlich Zeit zum eigenständigen Besichtigen der Stadt zu bekommen. Ein gemeinsames Essen in einer nahgelegenen Pizzeria stand natürlich auch noch an, damit wir später gestärkt in den Bus steigen konnten.

Rom. Eine "ewige Stadt" mit strömenden, bunten Massen, die eins zu werden scheinen, und doch zeichnet sie sich durch ihre unverbesserliche Individualität aus. Eine bebende Atmosphäre, die man kaum ausmachen, kaum greifen kann und die sicher allen im Gedächtnis bleiben wird.

"Eine Welt zwar bist du, o Rom, doch ohne die Liebe wäre die Welt nicht die Welt, wäre denn Rom auch nicht Rom." - Johann Wolfgang von Goethe, "Römische Elegien"

Marta Jacobi