Skilager 2015

19.01.2015

1. Tag - Alter Schnee von gestern!

Pünktlich fährt der Bus vom Parkplatz an der 84. Oberschule ab. Die anfängliche Müdigkeit verfällt ziemlich schnell, es wird aus den hinteren Reihen laute Musik gewünscht.  Später will die Jugend schlafen, da weiß man nicht so recht, was sie nun wirklich will. Das kann ja heiter werden!

Um 7.50 Uhr kommt erstmals die Frage auf, wann wir da sind. "Sind wir um 10 Uhr da?" Doch um diese Zeit haben wir gerade die erste PP hinter uns. Unser Busfahrer, Herr Zimmermann, fährt zügig und gut. 

35 km vor dem Ziel ist noch kein Schnee in Sicht, die Unruhe steigt. Doch 20 km weiter sind schneebedeckte Gipfel in Sicht und je näher wir Finsterau kommen, um so höher liegt er. Aus den vorderen Reihen kommen spontane Äußerungen wie „Schneehölle“ und „Wolkentraum“. Die Begeisterung wächst beim Anblick von flächendeckendem Weiß, dem "Schnee von gestern". Um 12.30 Uhr erreichen wir das Feriendorf. Nach Mittagessen und kurzem Zimmereinrichten wollen die Schüler/innen eine Ruhepause.  

Aber der Zeitplan ist mal wieder anders als der Wunsch der lieben Kleinen. Um 14.15 Uhr geht's auf zum Skiverleih, Skianprobe und zurück zur Herberge. Pünktlich um 16 Uhr sind alle auf dem Testfeld mit gespurten Loipen. "Macht Spaß", "geil", "können wir in den Wald", "cool", "es wird kalt", "ich habe schon blaue Finger", "meine Haare frieren ein", "können wir endlich die Ski ausziehen und mal eine Schneeballschlacht machen"- das sind nur einige Äußerungen. Die Kinder haben sichtbar Freude und erfahren hautnah, dass Schnee nass und kalt ist. Fehlende Mützen und Handschuhe tragen ihr Übriges dazu bei. Gegen 17.30 Uhr erscheinen sie erschöpft und fertig. Doch mit dem folgenden Abendbrot werden die Lebensgeister wieder geweckt. Mit aufgeladenen Akkus geht es in die Sporthalle, an den Fußballkicker, Haus und Zimmer werden aktiv belebt.

Dieser Spaß wird wieder durch den Stundenplan unterbrochen, Wachskunde steht auf dem Programm. Ab 19.30 Uhr werden 3 Gruppen das Wachsen von Ski durch die Sportstudenten erklärt. Besonderes Interesse kommt auf, als die Schüler/innen selbst Hand anlegen können. Praktische Erkenntnis einer Schülerin: Man muss das überflüssige Wachs aus der Gleitzone später rauskämmen und benötigt dazu wahrscheinlich „Skischuppenshampoo“. Das Unterrichtsfach "Wachskunde" sollte auf Schülerwunsch hin eingeführt werden.

Nachtruhe wird um 22 Uhr eingeläutet ...  

Der Tag beginnt für einen Teil der Schüler bereits um 5:30 mit lautstarken Zimmer- und Hausaktivitäten, während die anderen trotz mehrmaliger Weckversuche fast das erste gemeinsame Frühstück verschlafen. Nach diesem werden die Gruppen neu gewürfelt und auf geht es zum Sportplatz, in den Wald oder ins Stadion. Während die Schüler sportlich über sich hinaus wachsen, gibt sich auch die Sonne größte Mühe, die Wolkendecke zu durchbrechen.

Die körperliche Anstrengung wirkt sich auch auf die Motivation aus. Zur Mittagspause sind viele fertig und nach dem Essen fallen erstmals auch Sätze mit „blöd“, „schei***“ und Forderungen nach mehr Pause. Trotzdem geht es wieder pünktlich in den Schnee. Durch so manche Rutschpartien und Stürze häufen sich die blauen Flecken, aber unsere Stehaufmännchen stört das überhaupt nicht. Fallen – aufstehen – Schnee abschütteln – weiter geht´s. Und die Erfolge sind sichtbar!

Es ist eine gute Stimmung und wir beobachten ein angenehmes Miteinander unter der Schülerschaft. Man hilft sich gegenseitig und spricht sich Mut zu.

Die abendliche Disco ist spärlich besucht, aber in den Gängen des Hauses steppt der Bär. Trotz starker Müdigkeitserscheinungen werden in der Turnhalle fast die Wände durchgeschossen. Einige Sportbegeisterte können es kaum erwarten, am nächtlichen Flutlichtskilauf teilzunehmen. Eine Schülerin ist schneller als der Sportstudent … (das braucht keinen weiteren Kommentar). Drei unermüdliche Schüler können sich von ihren Ski nicht trennen und tun ihnen etwas Gutes, indem sie ihnen eine professionelle Wachskur zukommen lassen.

Das lässt auf die morgigen Leistungskontrollen und den am Donnerstag folgenden Wettkampf hoffen.


Dass fünf Stunden Sport am Tag anstrengend sein können ist für niemanden etwas Neues, und dass Lehrer darauf hin als Tyrannen betitelt werden auch nicht. Aber was neu ist, ist die Energie, der Enthusiasmus, die Freude, mit der unsere Schüler unermüdlich sich Tag für Tag abrackern und am Ende fast immer noch mit einem Lächeln an der Herberge ankommen.

Gestärkt vom Frühstück geht es in den Wald und ins Stadion. Am Horizont blinzelt schon die Sonne und dann bricht der Himmel auf und erfreut alle mit einem tiefen Blau. In der Loipe heißt es dann Pizza! Pizza! Tiefgehen! Oberkörper vor! Pizza? Nein nichts zu essen, sondern sicher den Berg runter kommen in einem ordentlichen Schneepflug. Die Techniken werden immer besser, die Mädchen und Jungen immer schneller und langsam sehen unsere Skigruppen richtig professionell aus.

Nach einer Portion Kaiserschmarrn mit Apfelmus zum Mittag geht es in eine sonnige Pause. 14.30 müssen unsere Langläufer zeigen was sie gelernt haben. Doppelstockschub, Diagonalschritt und Schneepflug werden auf der Prüfungsstrecke vorgeführt. Da ist nicht viel auszusetzen. Da haben die Schüler und Skilehrer wirklich ganze Arbeit geleistet und alle können stolz auf ihr Können und ihre Noten sein.

Ganz tief im Wald hört man noch ein leises „Ich kann nicht mehr!“ oder ein stilles „Och nöööö!“. Doch es wird stetig weniger. Denn alle haben sichtbar Spaß an der neuen Sportart.

Heute weckt die Sonne unsere Schneesportler zum letzten Skitag. Der große Wettlauf steht auf dem Programm. Bei strahlendem Sonnenschein geht es auf die Wettkampfstrecke. Und dann heißt es: Auf die Plätze... Fertig... Los. Die Schüler kämpfen bis ins Ziel und zeigen, was sie in den letzten Tagen gelernt haben. Mit glühenden Gesichtern fahren die Wettläufer über die Ziellinie. So manches Mädchen zeigt den Jungen, wie man die Strecke richtig flott läuft. Und manch einer, dem das Langlaufen einige Schwierigkeiten bescherte, schafft es trotzdem mit unglaublichem Kampfgeist über die ganze Strecke. 

Alle haben sich ihr Mittagessen wirklich verdient.

Am Nachmittag lassen wir die Ski im Skiraum und werfen uns alle im wahrsten Sinne des Wortes in den Schnee. Ein süßer Schneemann mit Kind und der Coca Cola Schneemann werden liebevoll gebaut und dann entbrennt eine wilde Schneeballschlacht. Da bleibt kein Auge trocken. Alle haben riesig Spaß, genießen die Sonne, den Schnee und die tolle Stimmung. Natürlich wird auch Schlitten gefahren und eine Gruppe hat immer noch nicht genug und fährt mit den Ski bis an die tschechische Grenze. 

Unsere Schneemänner und Schneefrauen finden sich nach einer Aufräumaktion in den Zimmern im Gemeinschaftsraum ein. Hier werden die Besten des Wettkampfes gebührend geehrt und dann...

erscheint der Skigott Uller, Patron der Wanderer und Skiläufer, und ruft zur Taufe. Ein jeder wird zum Gefolge des Heiligen ernannt und manch einer erhält einen neuen Namen, ganz nach Belieben Ullers. Das Gesicht in das weiße Element getaucht und den magischen Trunk eingenommen, beenden alle ein tolles Skilager im bayrischen Finsterau. Jetzt ab ins Bett und süße Träume von den vielen verschneiten Erlebnissen der letzten Tage.