Eine wahrhaft abenteuerliche Sprachreise nach Frankreich

Lange haben die 26 Schüler der 6. und 7. Klassen der Mittelschule Weixdorf geübt und geprobt, bevor sie sich vom 9. bis 15. Mai 2011 auf ihre Sprachreise nach Longuyon begaben.
Gemeinsam mit uns reisten 11 weitere Schüler der Mittelschule Dohna.
Longuyon liegt in Lothringen (frz. Lorraine) und ist Partnerstadt von Pirna. Die Aufregung war groß, denn keiner der 37 Schüler und drei Betreuer hatte das Ziel der Reise je vorher besucht.
Nach einer 12-stündigen Busfahrt wurden wir von Nadja, der Herbergsleiterin, und Maciej, dem Vertreter der Stadt Longuyon, herzlich empfangen. Das abendliche Diner in vier Gängen konnten viele Kinder an diesem ersten Abend noch nicht recht genießen, die Aufregung bremste den Appetit.
Schließlich hatte der Sprachunterricht längst begonnen, ob bei den Durchsagen im Bus, beim Abendbrot oder dem Lesen der Türschilder.

Am nächsten Morgen erwartete man uns bereits im Collège Paul Verlaine. Alle Schüler, die dort Deutschunterricht erhalten, trafen sich mit uns. Die anfängliche Schüchternheit schwand nach der Darbietung unseres kleinen Programms und dem Überreichen der Gastgeschenke mehr und mehr. In Interviews  mussten die Schüler beider Länder Steckbriefe über ihre Partner anfertigen. Am geringsten waren die Sprachprobleme bei den anschließenden Sportwettkämpfen in gemischten Mannschaften.
Angesichts der vielen herzlichen Begegnungen war das, was uns am Nachmittag erwartete, für viele zunächst unvorstellbar. Wir besuchten die Gedenkstätte in Verdun, Gräberfelder, das Gebeinhaus und sahen grasbewachsene Schützengräben und Granattrichter. Die Frage, warum sich Deutsche und Franzosen im Ersten Weltkrieg so unermessliches Leid zufügten, beschäftigte alle sehr intensiv. Und so war es ein besonderes Zeichen der Freundschaft, dass uns am Abend der Bürgermeister Longuyons persönlich im Rathaus empfing. Trotz Lampenfieber trauten sich Schülervertreter, sich in französischer Sprache vorzustellen, was selbst uns Erwachsenen nicht leicht fiel. Ein erlebnisreicher erster Tag in Freundesland ging zu Ende und wir ahnten nicht, dass es am darauffolgenden Mittwoch in Paris noch eine weitere Feuerprobe zu bestehen galt.

Eine Stadtrundfahrt kann jeder Tourist machen, wir jedoch fuhren mit der Metro und liefen weite Strecken. Was wir dabei zu sehen bekamen, lohnte die Mühe auf jeden Fall. Nach dem Start am Champs Élyssée wanderten wir zum Louvre, schauten von der Pont Neuf den Booten auf der Seine zu und den Künstlern am Centre Pompidou. Im Notre Dame untermalte eine Messe mit Orgelklängen und wunderbaren Gesängen den unvergesslichen Eindruck dieses Bauwerkes. Die anschließende Metrofahrt zum Eiffelturm wird keiner vergessen. Mit unglaublichem Glück konnten wir uns in die vollen Wagen quetschen und erlebten ein authentisches Stück Pariser Lebens. Die Fahrt auf den über hundertjährigen Eiffelturm war der unbestrittene Höhepunkt dieses Tages. Stundenlanges Anstehen, schmerzende Füße und Rücken, ja selbst Höhenangst waren vergessen, als wir im Sonnenuntergang eine fantastische Aussicht auf die Sechs-Millionen-Metropole hatten. Doch damit nicht genug! Auf der Fahrt nach unten ging die Beleuchtung an und auf dem Heimweg über die Champs de Mars begann das Wahrzeichen zu funkeln und zu glitzern. Der ungeplant späte Besuch dieser Sehenswürdigkeit hatte uns unverhofft einen der schönsten Momente der Reise beschert und niemand beschwerte sich, dass er nach der langen Heimfahrt erst 4 Uhr morgens in sein Bett konnte.

Nach einem späten Frühstück genossen wir einen entspannten Donnerstag, der  natürlich nicht ohne Sprachpraxis blieb. Im nahegelegenen malerischen Dorf Merville erkundeten wir eine alte Kirche, kauften Karten und Briefmarken auf der Post und leckeren Kuchen in der Boulangerie (Bäcker). Nachmittags spielten wir gemeinsam Fußball mit französischen Grundschülern, welche in unserer Herberge tagsüber Unterricht im Grünen hatten. Selbst am Abend bekamen noch etliche Schüler Besuch von Franzosen des Collège, die ihnen kleine Gastgeschenke brachten. Deutsch – Französisch – Englisch – Hand und Fuß – ein lustiger Sprachmix kam so zustande.

Am Freitag lernten wir im Fort Fermont eine unbezwungene Festung des Zweiten Weltkrieges kennen. Sagenhafte acht Etagen, sieben davon unterirdisch, konnte dieses Festungsbauwerk einst vorweisen. Während einer Fahrt durch die verschiedenen Bereiche dieser kleinen Stadt erfuhr man sogar, dass es hier auch einen Operationssaal gab.
Nach einem kurzen Stopp im Einkaufszentrum empfing uns am Abend ein echter französischer Koch zur Schneckenverkostung. Das Rezept übersetzten die Schüler ohne Probleme, aber würden sie sich auch trauen, zu kosten? Von 37 Schülern probierten 25 die Spezialität und 20 urteilten: Lecker!

Viel zu schnell war der Samstag heran und unsere letzten Ausflüge führten uns nach Nancy, in die Hauptstadt von Lothringen, und nach Metz in eine der höchsten Kathedralen der Welt. Auch hier waren Sprachkenntnisse gefragt. Nachdem man im Tourismusbüro nach einem Stadtplan gefragt hatte, mussten in Gruppen vorgegebene Sehenswürdigkeiten selbst gesucht und fotografiert werden.
Am letzten Abend machten wir Nadja, unserer liebevollen Herbergsmama, nicht nur mit einem französischen Liedprogramm eine Freude. Endlich hatten die deutschen Kinder gelernt, vier Gänge in Ruhe zu genießen, ordentlich zuzulangen und auf Französisch um Nachschlag zu bitten.
Auf der Rückfahrt am Sonntag hatten wir nicht nur Souvenirs, sondern vor allem viele neue Eindrücke, ein wenig Abschiedsschmerz, zahllose neue Vokabeln und ein kleines Stück französische Lebensart im Gepäck.

Nun schauen wir dem Gegenbesuch der französischen Schüler im nächsten Jahr mit Spannung entgegen. Wir Lehrer sind stolz darauf, welche sprachlichen Leistungen unsere Schüler nach knapp ein- bzw. zweijährigem Französischunterricht bereits vorweisen konnten.

Kerstin Aehrig / Mario Förster - Lehrer der MSW

 
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