Den Menschen sei es zwischen 1945 und 1989 in den herrschenden Systemen nicht möglich gewesen, ihre Meinung frei zu äußern, ergänzte Artur Bieliński, Landrat des Landkreises Zgorzelec in seinem Grußwort. Es dürfe nicht vergessen werden, dass es gerade die Menschen in Ost-Berlin, Leipzig und Görlitz waren, die sich als erste gegen die kommunistische, totalitäre Staatsgewalt erhoben. Er äußerte die Hoffnung, dass diese durch das Koordinierungsbüro der Ziel3-Projekte der Sächsischen Bildungsagentur erarbeitete Ausstellung unter anderem an diese Menschen erinnert, welche sich in schwierigen Zeiten durch Zivilcourage auszeichneten und das Gedenken an sie ermöglicht.
Béla Bélafi, Direktor der Sächsischen Bildungsagentur, wies in seiner Ansprache auf den Zusammenhang zwischen der Friedlichen Revolution in der DDR und der Geschichte der Solidarnosc in Polen hin. Die Geschehnisse im benachbarten Polen seien Bedingung für das Zustandekommen der Friedlichen Revolution gewesen. Junge Menschen könnten sich heute allerdings über das Leben zwischen 1945 und 1989 in der DDR und anderen sozialistischen Ländern nur aus Erzählungen informieren. Daher schließe die Sächsische Bildungsagentur mit dieser Ausstellung eine Wissenslücke über Menschen mit Zivilcourage in Görlitz und Zgorzelec und trage damit zu einer eigenständigen Meinungsbildung nicht nur unter Jugendlichen bei.
Die Leiterin des Koordinierungsbüros der Ziel3-Projekte der Sächsischen Bildungsagentur, Kinga Hartmann-Wóycicka, unterstrich die wesentliche Bedeutung einer Erinnerungskultur für die Entwicklung von lokalen Gesellschaften und die Notwendigkeit intensiver Ausbildung in diesem Bereich. Hier wäre noch viel Arbeit nötig. So sei der beachtliche Umfang des Aufstandes vom 17. Juni 1953 in Görlitz kaum wissenschaftlich erforscht und die Mitglieder des Görlitzer Stadtkomitees, welche kurzzeitig die Leitung übernommen hatten, wenig bekannt. Trotz ihres bewundernswerten Einsatzes werde nicht an sie erinnert. Nachdem Frau Hartmann-Wóycicka die Namen der Mitglieder des Stadtkomitees vom 17. Juni verlesen hatte, unterstrich sie die Notwendigkeit von Erinnerung und Vermittlung solcher Ereignisse.
Auf der Grundlage des gegenseitigen Austausches könnten die noch immer vorhandenen Vorbehalte überwunden werden. Als Beispiele verwies sie auf den Pfarrer Franz Scholz, der bis April 1946 als deutscher Pfarrer in Zgorzelec tätig war und den polnischen Arzt Dr. Jan Gliński, Mitglied der Heimatarmee und Teilnehmer am Warschauer Aufstand, der nach 1945 das Gesundheitswesen in Zgorzelec aufbaute, welche beide die Stadt aufgrund von Konflikten mit den kommunistischen Machthabern verlassen mussten. Sie führten Jahre nach ihrer Abreise einen Briefwechsel in der jeweils anderen Sprache miteinander, in dem sie sich über ihre Erinnerungen und Ansichten austauschten. Diese gegenseitige Auseinandersetzung sei auch heute noch beispielhaft und zeichne diese Persönlichkeiten aus Görlitz und Zgorzelec aus.
Das Koordinierungsbüro möchte sich bei allen Teilnehmern der Eröffnung herzlich bedanken und lädt Sie herzlich zu einem Besuch der Ausstellung ein. Sie kann im Foyer und im großen Festsaal des Landratsamtes Görlitz bis 01. August 2014 zu den Öffnungszeiten besucht werden.