Chronik

Schule und Schulwesen in Stenn bis 1900

1. Kirchschule und Schulwesen – Organisation und Finanzierung

  • Kirchschule: zentrale Bildungseinrichtung in Stenn, ab 1839/40 neues Schulhaus rechts am Kirchhof
  • Unterricht: Kinder sollten möglichst täglich (etwa 2 Stunden) am Unterricht teilnehmen, besuchten die Schule jedoch häufig unregelmäßig, insbesondere während arbeitsintensiver Zeiten, Unterricht wurde bei geringer Schülerzahl angepasst
  • Lehrer: früher Einnahmen aus Schulgeld (zu Beginn des 19. Jh.: 2 Reichstaler/Monat), seit 1836 festes Gehalt (13 Taler/Monat)
  • zusätzliche Einkünfte: durch Naturalien, kirchliche Dienste sowie Gebühren bei Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen
  • Schulverwaltung: 1843 Wahl eines Schulvorstands aus dem Gemeinderat

 

2. Historische Lehrer von Stenn

Zeitraum Lehrer Bemerkungen / Besonderheiten
~1590 Michael Donner Konflikte mit Pfarrer Büttner; ungebührliches Verhalten in der Kirche; wurde abgesetzt und später Schulmeister in Steinpleis
1612–1670 Christoph Vogel übernahm nach Donner; 57 Jahre Kirchschullehrer; geriet in Schulden; kümmerte sich um die Schüler während Pestzeiten
1670–1703 Johann Thomas Hildebrand sparsamer Haushalter, Sohn wurde Pfarrer; legte Wert auf Bildung
1703–1756 Johann Christian Viehweg Hufschmied, später Lehrer; heiratete Tochter des Vorgängers
1757–1783 Johann Christian Heltwig Berg-Kommissar in Rudolstadt, kehrte zurück; zwei Söhne wurden Apotheker
1783–1796 Christian Friedrich Dinter Verbesserung der Schulordnung, Heizung der Schulstube, Orgelbeschaffung; bauliche Maßnahmen für Schulgebäude
1796–1839 Johann Christoph Bast führte feierliche Schulproben ein; betonte die Verbindung von Gottes Gnade und Bildung
1840–1857 Friedrich Wilhelm König gymnasiale Bildung; brachte frischen Wind ins Schulwesen; harte Disziplin
1857–1870 Moris Robert Leupold starb früh (45 Jahre) an Lungenerkrankung
1870–1897 Christian Friedrich Wilhelm Hochmuth Kantor seit 1883; gründete Volks- und Schulbibliothek; hohe pädagogische Ideale
ab 1.12.1897 Arno Maximilian Schneider ehemaliger Organist; Ausbau des Schulwesens; mehrere Lehrerstellen gleichzeitig eingerichtet

Die Qualität des Unterrichts hing stark von der jeweiligen Lehrerpersönlichkeit ab und schwankte erheblich.

 

3. Infrastruktur und bauliche Entwicklungen

  • neue Kirchschule 1839/40: rechts am Kirchhof, alte Schule als unbrauchbar erkannt
  • Reparatur 1867: Erweiterung für zweiten Unterrichtsraum
  • Hilfslehrer: seit 1866, steigende Schülerzahlen erforderten zusätzliche Lehrkräfte
  • drittes Lehrzimmer & Lehrerwohnung: zweites Schulhaus 1887/88 auf 14,8 Ar Grundstück gegenüber der Kirche, Kosten ca. 24.000 Mark
  • Gottesdienste im Schulgebäude: 1895–96 wegen Kirchenbau genutzt
  • Schülerzahl 1900: 325 Kinder

 

4. Besondere historische Details

  • Kirchschullehrer hatten früher Zusatzleistungen: Geschenke von Gemeindegliedern zu Festen, Brot für die Kommunion, Eder und Wiesenanteile, jährlicher Zins aus Lehen
  • frühere Lehrer waren oft eng mit Pfarrern und Gemeinde verbunden, Konflikte führten manchmal zu Absetzungen (z. B. Michael Donner)
  • Entwicklung von der Kirchschule mit geringen Einnahmen hin zu einem zunehmend geregelten und institutionell ausgestalteten Schulwesen (festes Gehalt, Schulvorstand, moderne Infrastruktur)
  • pädagogische Ideale: ab dem 19. Jahrhundert legten Lehrer wie Hochmuth und Schneider Wert auf Erziehung für Erde und Himmel, Volksbildung und Schulbibliothek

 

Quellenhinweis

Die dargestellten historischen Informationen über die Kirchschule und das Schulwesen in Stenn stammen aus:

D. Georg Buchwald: Neue Sächsische Kirchengalerie – Ephorie Zwickau, Leipzig, Verlag Arwed Strauß, 1902

Die Angaben beziehen sich auf die Zeit bis etwa 1900 und spiegeln die historischen Zustände wider. Sie dienen der Darstellung der Schulgeschichte und der Lehrer von Stenn.

 

Wenn Sie weitere historische Quellen oder Unterlagen zur Schule in Stenn besitzen – z. B. alte Dokumente, Bücher, Schulakten oder Familienaufzeichnungen – freuen wir uns sehr über Ihre Hinweise oder Kopien.