Typografische Fundstücke - Bergen(Norwegen) Runen mal ganz anders …

Heute geht es mal wieder um eines meiner Lieblingsthemen - Runen, Runen-Steine und Runen-Inschriften. Aber heute ist es mal ein bisschen anders.
Ich habe ja in der TYPO-ECKE schon öfter über Runen berichtet z.B. den berühmten Kuli-Stein. Dies ist ein Runen-Stein von der norwegischen Insel Kuli, auf dem das erst Mal das Wort Norwegen verzeichnet war. Des weiten gab es einen Bericht von den vielen Runen-Steine auf der schwedischen Insel Gotland. Die Inschriften waren meist verstorbenen oder gefallen Kriegern oder Kriegerinnen gewidmet. Diese Runen-Denkmale wurden von sogenannten Runen-Meistern oder Runen-Meisterinnen verfasst und in Stein gemeißelt.
Die Runen, von denen ich heute berichten möchte, stammen zum großen Teil aus der Stadt Bergen in Norwegen und sind von ganz gewöhnlichen Leuten im ca. 14. Jahrhundert geschrieben oder besser geritzt worden.
Die Runen wurden vorwiegend in Kiefernholz geritzt und haben recht gewöhnliche Alltagsthemen. Gefunden habe ich diese Runen-Denkmale im Brygge-Museum in Bergen. Dort lagern weit mehr als 600 solche Runen-Hölzer. Ein ausgewählter Teil ist auf einem großen, runden Tisch ausgestellt. Dabei sind die Runen-Fundstücke in tortenartigen Segmenten thematisch geordnet. In einen drunterliegenden Schubkasten werden die Inschriften nochmals mit Runen, in norwegischer und englischer Sprache vorgestellt.
Es gibt z.B. Namensschilder, die wahrscheinlich das Haus oder den Besitz im historischen Stadtteil Brygge kennzeichneten.
Es gibt aber eben auch echt kuriose Botschaften und nachrichten von Liebe und Ehedramen.

So kann man z.B. lesen:

For me, love soon turned to the beautiful, harmful woman

Für mich verwandelte sich die Liebe bald in die schöne, verhängnisvolle Frau.

I love that man’s wife so much that fire seems cold! And I am that women’s lover

Ich liebe die Frau dieses Mannes so sehr, dass mir das Feuer kalt erscheint! Und ich bin der Liebhaber dieser Frau.


Erstaunlich ist ebenfalls, dass es Runen-Inschriften gibt, deren Sinn oder Bedeutung noch nicht erschlossen sind.
Am Interessantesten ist jedoch der Fakt, dass all die Runen-Inschriften in einer Zeit entstanden sind, da Runen schon längst nicht mehr im Gebrauch waren. Diese Nachrichten konnten so nur von Menschen gelesen und verstanden werden, die noch die alten Runen-Zeichen verstanden und ihren Gebrauch kannten.

Als weiters gibt es auch noch einen Runen-Stein im Brygge-Museum zu sehen. Auch hier gibt es eine Besonderheit. Die Runen sind nur geritzt und nicht gemeißelt, wie das so üblich war. In der Inschrift auf diesem Stein geht es um Marie, die Mutter von Jesus.

Hail Mary, full of grace,
The Lord is with thee.
Blessed art thou amongst women,
And blessed is the fruit of thy womb, Jesus.
Holy Mary, Mother of God, pray for us sinners,
Now and at the hour of our death.
Amen.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade,
der Herr ist mit dir.
Du bist gebenedeit (gesegnet) unter den Frauen,
und gebenedeit(gesegnet) ist die Frucht deines Leibes, Jesus.
Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,
jetzt und in der Stunde unseres Todes.
Amen.

Ein weiteres schönes Runen-Fundstück ist ein Küchenutensil mit einer Runen-Inschrift.

Der Text der Inschrift lautet in der Übersetzung ungefähr so:

Knife beater
Runic inscription, both sides:

Håkon carved, but the boy owns me.
Bård owns me.  He found much to object to in the person who carved me.

Messerschläger
Runeninschrift, beidseitig:

Håkon hat mich geschnitzt, aber der Junge besitzt mich.
Bård besitzt mich. Er fand viel zu beanstanden an der Person, die mich geschnitzt hat.


Hier also meine Runen-Fundstücke und andere Fundstücke aus dem Brygge-Museum in Bergen: